Das sogenannte Wybermahl von Hettiswil geht auf den Guglerkrieg des Jahres 1375 zurück. Damals verteidigten die Hettiswiler Frauen ihren Ort (inklusive das Gluniazenserkloster) erfolgreich gegen plünderndes Kriegsvolk. Der Prior des Klosters Hettiswil gewährte daraufhin den Hettiswiler Frauen das Recht, jeweils am Jahrestag des Gefechts (26. Dezember) im Klosterwald nach Bedürfnis Holz zu fällen. In Folge Uebernutzung des Waldes wurde die Schenkung später geändert, so dass die Frauen eine Wiese erhielten , die "Wybermatte", deren jährlichen Ertrag sie während Jahrhunderten zu einem gemeinsamen Mahl verwendeten.

Im Jahre 1870 nahm das Wybermahl aufgrund eines Regierungsratsbeschlusses vom 22. Januar ein jähes Ende. Infolge der Güterausscheidung in der Gemeinde Krauchthal und wohl auch gestützt auf Klagen ("... Ertrag bis jetzt alljährlich durch die Weiber von Hettiswil auf einmal vertrunken wurde...") wurde der Zweck der Wybermatte ab 1870 bestimmt für die "Erziehung des heranwachsenden weiblichen Geschlechts". Der jährliche Ertrag sei demnach "zur Bestreitung der Kosten für Mädchenarbeitsschulen oder als Beiträge an unbemittelte Mädchen zu Erlernung von Berufen" zu verwenden.

Nach der Aufhebung des Obligatoriums des hauswirtschaftlichen Unterrichts für Mädchen gab es Stimmen in Hettiswil, die fanden, dass es nun an der Zeit sei, das Wybermahl wieder aufleben zu lassen. Von dem Einsatz des Zinses für den hauswirtschaftlichen Unterricht würden zwar nun Mädchen und Buben provitieren, dies entspreche aber nicht mehr dem ursprünglichen Zweck. Deshalb wurde das "Komitee zur Wiedereinführung des Weibermahls" gegründet. Mit Gesuch vom 12. Dezember 1985 gelangte das Komitee mit der Bitte an den Einwohnergemeinderat Krauchthal, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um das sogenannte "Wybermahl" wieder aufleben lassen zu können. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Hettiswil übernahm das Patronat.

Nach dem Gang durch die verschiedenen Instanzen (Einwohnergeimeinderat Krauchthal, Regierungsstadthalter Burgdorf, Regierungsrat des Kantons Bern, Staatsarchivar des Kantons Bern, Direktion der Gemeinden des Kantons Bern) wurde das Gesuch bereits 3 1/2 Jahre später, am 13. Juli 1989 von der kantonalen Gemeindedirektion bewilligt (s. Genehmigung).

Am 19. Mai 1990 fand nach 120 Jahren Unterbruch das Wybermahl zum ersten Mal wieder statt. Das Wybermahl wird durch das Wybermahlkomitee organisiert und durchgeführt. Der Anlass findet alle 2 Jahre statt. Zutritt nur für Hettiswiler Frauen!

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